Roman — work in progress
Tato und das Buch des Himmels
Alle Menschen, die Tato liebt, müssen im Hafen an Bord eines Segeldampfers steigen und in den Krieg ziehen. Tato verlässt ihre nach Rauch und Backstein riechende Heimatstadt — unter ihrem Anzug ein sagenumwobenes, allwissendes Buch, das niemand lesen kann. Eine Bärin und ein Eichhorn zeigen ihr den Weg ins Reich des Stehenden Volkes, wo Tato zum ersten Mal Bäume sieht. Kann die Hexe des Waldes das Buch entschlüsseln und Tato helfen, ihre Familie zu retten?
Tato und das Buch des Himmels ist ein Roman ab 12 Jahren, der einer industriellen Stadt die Welt des Waldes gegenüberstellt: das Reich des Stehenden Volkes, in dem Wissen kein Machtinstrument ist, sondern aus jahrhundertealter Verbindung entsteht. Eine Geschichte über ein Mädchen, das immer stark sein will und lernen muss, Hilfe anzunehmen.
In der Geschichte verbinde ich einen Traum über ein Mädchen, das bei Nacht über das Meer dahingleitet, mit der Idee von Xu Bings Installation Tianshu, „A Book from the Sky“: tausende erfundene Schriftzeichen im Stil der antiken Ming-Dynastie, die sich nicht entschlüsseln lassen.
Das Buch des Himmels in meiner Geschichte ist eine Legende, es verspricht die Antworten auf alle Fragen und ist deshalb Mittelpunkt eines Krieges, an dessen Beginn sich niemand mehr erinnert. Auch Tato will das Wissen des Buches nutzen, als sie es findet — und muss erkennen, dass es mehr braucht als ein allwissendes Buch, um ihre Freunde zu retten.
Eng verknüpft mit dem Thema Schrift und Zeichen ist die Magie. Wie in den meisten Kinder- und Jugendbüchern tritt sie im Roman als phantastisches Erzählelement auf, verschmilzt hier jedoch mit kultureller Praxis: Schutzzauber in Form von Schnitzereien an Türrahmen, Worte und Lieder als Zauberformeln. Und so begegnen uns in dieser Geschichte keine Zauberstäbe, sondern etwas, dem seit jeher magische Kräfte beigemessen werden: Zeichen und Worte.